„MEINE ZUKUNFT IST IN DEUTSCHLAND“

WER EINEN GARTEN HAT, IST ZUHAUSE ANGEKOMMEN.

Wie das Leben für die 48-Jährige in Syrien vor dem Krieg aussah und wie sie sich ihr neues Leben hier in Lüneburg vorstellt, hat Hannan uns in einem Interview in der Gemeinschaftsunterkunft am Ochtmisser Kirchsteig erzählt.

Hannan (48) aus Syrien

Hannan (48) aus Syrien möchte mit ihrer Familie in Deutschland neu anfangen.

„Ich möchte so schnell wie möglich wieder auf eigenen Beinen stehen“, sagt Hannan und meint damit ihren eigenen Obst und Gemüsegarten, von dem sie sich, ihren Ehemann und ihre Kinder in ihrer Heimat viel selbst versorgen konnte. Hannan lebt nun mittlerweile mit ihren jüngsten Kindern, einer älteren Tochter und ihrer Schwiegertochter in Lüneburg. Ihre älteste Tochter musste sie in Damaskus zurücklassen, die zweitälteste be ndet sich noch in Griechenland und ist auf dem Weg zu ihrer Familie. Für die älteren beiden Töchter hat das Geld der Familie nicht gereicht; mehr als 25.000 Euro mussten sie insgesamt für ihre Flucht bezahlen. Nach Syrien zurückzukehren, wo die Miliz ihren 25-jährigen Sohn und ihren Ehemann ermordet hat, kann Hannan sich nicht vorstellen: „Unser Leben dort ist beendet. Meine Zukunft ist in Deutschland.“
Trotzdem hat Hannan schöne Erinnerungen an das Leben mit ihrer Familie in Damaskus. „Vor dem Krieg war ich Hausfrau, habe Obst und Gemüse in meinem eigenen Garten angebaut.
Mit den frischen Lebensmitteln aus dem Garten habe ich sehr gerne gekocht. Wir hatten auf unserem Hof Hühner und Olivenbäume.“
Wie ein normaler Wochentag aussah, beschreibt Hannan wie folgt: „Ich bin immer um 6.30 Uhr aufgewacht, um rechtzeitig das Frühstück für meine Familie vorzubereiten. Nachdem die Kinder in die Schule gegangen sind und mein Mann zur Arbeit, habe ich im Garten gearbeitet. Wenn die Kinder um 14 Uhr von der Schule kamen, machte auch mein Ehemann Mittagspause. Er arbeitete in einer Metallfabrik. Nach der Mittagspause machte ich den Haushalt und bereitete die Feierabend-Wasserpfeife vor. Wenn um 19 Uhr mein Mann nach Hause kam, haben wir zur Wasserpfeife oft gemeinsam Mate-Tee getrunken.“
Eine besonders schöne Erinnerung von Hannan, ist die Hochzeit ihres Sohnes, als die ganze Familie in einem gemieteten Hochzeitssaal zusammenkam und bis in den Morgen hinein feierte. Sie beschreibt diesen Tag als einen der schönsten in ihrem Leben.

Hannas Enkelkinder im Garten

Hannas Enkelkinder im eigenen Garten in Syrien

In Deutschland fühlt sich Hannan sicher. „Ich bin froh, dass es hier so ruhig ist“, sagt sie und dass sie hier gut versorgt und empfangen wurde. Bereits nach zwei Wochen hatten sie und ihre 9-jährige Tochter eine Aufenthaltsgenehmigung und wurden bald darauf nach Lüneburg gebracht, wo sie freundlich aufgenommen wurden. „Wir fühlen uns sehr wohl in der Unterkunft in Lüneburg, weil die SozialarbeiterInnen sehr nett zu uns sind und der Sicherheitsmann immer Kekse für die Kinder dabei hat. Außerdem kommt regelmäßig eine Studentin, die mit den Kindern spielt.“
Nun sollen ihre Töchter in Lüneburg eingeschult werden und auch für sich selbst hat Hannan einige Pläne, um hier in Deutschland selbstständig zu werden. Sie will so schnell wie möglich Deutsch lernen und für ihre Familie ein großes Haus nden. Am besten eins mit Garten, damit sie wieder Gemüse anpflanzen kann.

MEINE FLUCHT NACH DEUTSCHLAND
VOM MODEDESIGNER ZUM BUSFAHRER: NEUORIENTIERUNG IN DEUTSCHLAND

Categories: 1. Ausgabe 2016, MAGAZINE

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