Volkhochschule Lüneburg

Was nun?

Herausforderungen nach der Aufenthaltserlaubnis

Wenn man schließlich eine Aufenthaltserlaubnis in Deutschland bekommen hat, beginnt, nachdem eine Reise voller Risiken endet, eine neue Reise – ein neuer Lebensabschnitt.

Diese Reise beginnt mit vielen Gerüchten und Informationen, die man hier und da hört, darunter richtige und falsche. Wenn man sich noch nicht mit Deutschen verständigen kann, muss man mit den folgenden Aufgaben ganz alleine zurechtkommen.

Beginnen wir mit der ersten Herausforderung: dem Umzug von einer Flüchtlingsunterkunft in eine eigene Wohnung, mithilfe von den wenigen Informationen und den Freunden, die man hat. Man wird dabei mit vielen Schwierigkeiten konfrontiert. Eine davon ist die fehlende Fähigkeit, mit den Immobiliengesellschaften und Wohnungseigentümern auf Deutsch zu kommunizieren – ein Problem, das die Wahrscheinlichkeit, eine Wohnung zu finden, deutlich verringert. Dazu kommt, dass viele Deutsche aufgrund ihrer Ängste und Vorurteile nicht mit Flüchtlingen zusammenarbeiten oder ihre Wohnung an sie vermieten wollen. Sei es wegen negativer Erfahrungen oder aufgrund mangelnden Vertrauens gegenüber Geflüchteten.

Eine andere Herausforderung, der man als Flüchtling nach Erhalt der Aufenthaltserlaubnis gegenübersteht, ist der Beginn des Verfahrens zum Nachzug von Ehefrau und Kindern. Hier lassen sich viele Geflüchteten leicht von Gerüchten beeinflussen, weil viele nicht verstehen können, was um sie herum passiert. Einerseits beherrschen Geflüchtete die deutsche Sprache nicht, andererseits sind sie, aufgrund der schwierigen Umstände, die sie durchlebt haben und den damit verbundenen psychischen Probleme, so blockiert, dass ein schnelles Erlernen der Sprache mental gar nicht möglich ist.

Deshalb beginnt für uns Flüchtlinge auch die Reise, die deutsche Sprache zu lernen. Dabei versuchen wir, all unsere Schmerzen, psychischen Probleme und tägliche Sorgen zu vergessen und uns trotz allem zu konzentrieren. Die Sorgen entstehen zum einen durch die unerfreulichen Nachrichten aus unserem kriegsgeplagten Land, die man täglich hört und zum anderen durch das Gefühl der Anspannung angesichts der vielen Gesetze und Bedingungen, die sich von einem Monat zum nächsten ändern.

Eine weitere Herausforderung ist der Wille, sich in die Gesellschaft, in der man nun lebt, zu integrieren. Gleichzeitig zögern viele bei der Kommunikation, weil sie misstrauisch sind oder die Gebräuche und Denkweisen der neuen Gesellschaft noch nicht verstehen.

Als eine weitere Herausforderung muss auch die Suche nach Arbeit erwähnt werden. Bei der Suche haben selbst älterer Flüchtlinge Probleme, jemanden zu finden, der Vertrauen in die Erfahrungen und Fähigkeiten des Geflüchteten hat. Das liegt insbesondere auch daran, dass viele ihre Arbeit in den Heimatländern für gewöhnlich ohne Zeugnisse und Abschlüsse ausgeübt haben. Auf der anderen Seite fehlt es vielen auch an Selbstvertrauen, noch in hohem Alter und trotz der vielen Sorgen noch einen neuen Beruf zu erlernen.

Jedoch möchte ich hier auch die positiven Seiten erwähnen, die den Geflüchteten bei der Bewältigung dieser Hürden oft helfen: die Freundschaften erleichtern wirklich viele der Prozesse in diesem bürokratischen Staat zu verstehen; das gegenseitige Vertrauen zwischen dem Geflüchteten und der Umwelt, das einen Antrieb schafft und einen dazu motiviert, sich nicht zurückzuziehen und einzuigeln, sondern seine Gedanken und Sorgen zu teilen.

Ich hoffe, dass ich ein vereinfachtes Bild von den Herausforderungen für Geflüchtete bei der Integration vermitteln konnte. Zum Schluss möchte ich der deutschen Regierung und der deutschen Bevölkerung dafür danken, dass sie die Menschen, die die Kriege und die unmenschlichen Zustände in ihren Heimatländern zerreißen, gut behandeln und aufnehmen.

Integration geht nur gemeinsam
DER BLICK NACH VORN

Categories: 1. Ausgabe 2016, MAGAZINE

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