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ÜBERBLICK

ÜBER DIE POLITISCHEN ENTWICKLUNGEN IN SYRIEN

Die politischen Entwicklungen in Syrien unterscheiden sich in ihrem Ausmaß und ihrer Ursache von den anderen Staaten, die vom „Arabischen Frühling“ betroffen waren. Der Verlauf des Krieges bestimmt täglich die Medien, denn die Folgen des Konfliktes reichen weit über die syrischen Grenzen hinaus.

Um diese Prozesse nachvollziehen zu können, erscheint ein Rückblick auf die letzten Jahrzehnte notwendig. Nach dem Ersten Weltkrieg schlossen sich die in dieser Region lebenden Araber mit den Briten zusammen. Die Briten versprachen den Arabern die von ihnen eroberten Gebiete als Austausch für militärische Unterstützung. Allerdings hielten die Briten und die ebenfalls in der Region engagierten Franzosen ihre Versprechen nicht ein und teilten den Nahen Osten unter sich auf. Sie zogen teils willkürlich gezogene Grenzen, die auch heute noch Grund für die vielen Konflikte der Region sind. Während des Zweiten Weltkrieges wurde Syrien von den Alliierten besetzt und blieb bis zum Ausruf der Syrischen Republik im Jahre 1946 unter ihrer Bestimmung.

Nach einem nur von 1958 bis 1961 andauernden Zusammenschluss mit Ägypten zum vereinigten Großarabien kam es 1963 zum Putsch durch die Baath-Partei, die bis heute den syrischen Staatschef stellt.
Bashar al-Assad, der derzeitige Machthaber Syriens, amtiert seit dem Abtritt seines Vaters Hafiz im Jahre 2010. Sein Vater trieb die Modernisierung des Landes voran, wobei die unnachsichtige Durchsetzungsversuche keinen wirtschaftlichen Aufschwung erzielte und die Lage der syrischen Bevölkerung sich zunehmend verschlechterte. Nach der Übernahme des Präsidentenamtes versprach Bashar al-Assad unter einer liberalen Führung Reformen durchzuführen. Assad hat kaum eines seiner Versprechen gehalten. Ebenfalls wurde ersichtlich, dass seitens der Regierung kein Bestreben nach Demokratie vorhanden ist. Die Wirtschaft litt und spätestens seit den Demonstrationen in den Nachbarstaaten entstanden auch in Syrien Proteste. Im März 2011 wurden Jugendliche verhaftet, die ihren Unmut durch Graffiti zum „Sturz des Regimes“ forderten. Erst Provinzstädte, dann die Hauptstadt Damaskus und schließlich die größten Städte Homs sowie Hama äußerten schließlich durch friedliche Proteste ihre Unzufriedenheit und demonstrierten gegen die Unterdrückung durch das Regime. Zunächst zeigte sich Assad versöhnlich, doch das Misstrauen gegenüber der Regierung, die sich selbst, ihrem Netzwerk und den alevitischen Anhängern Sonderrechte einräumte, blieb bestehen. Die Proteste hielten an, denn die unveränderten Probleme um soziale Ungleichheit, die Vorteilsvergabe an einzelne Bevölkerungsgruppen, die hohe Arbeitslosigkeit, Korruption und die stetige Preissteigerung schürten die Frustration der Syrer. Das Militär begann mit Waffengewalt auf die Proteste zu reagieren; zeitgleich formierten sich rebellische Gruppierungen. Seither bekämpfen sich die verschiedenen Milizen und Truppen. Unter dem Kampf hat die Zivilbevölkerung am meisten zu leiden.

Die Fülle an Kriegsparteien wurde immer größer, auch mischten sich zunehmend ausländische Mächte ein, die jeweils ihre bevorzugte Kriegspartei unterstützen. Insbesondere der Islamische Staat, kurz IS, schien aus dem Nichts aufzutauchen und konnte sich schnell ausbreiten. Schnell gewann er an Aufmerksamkeit durch Massaker und Enthauptungen von Journalisten. Immer wieder verschieben sich die Machtverhältnisse, ein Ende des Krieges scheint dabei in weite Ferne zu rücken.

„WÄHREND DES KRIEGES KAUFT KEINER MEHR SCHUHE“
ALS SYRIEN NOCH HEIMAT WAR

Categories: 1. Ausgabe 2016, MAGAZINE

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