„EINIGE VON IHNEN SIND ZU GUTEN FREUNDEN GEWORDEN“

WIDMUNG AN DIE MENSCHEN IN LÜNEBURG

Adnan ist 24 Jahre alt und hat in Syrien studiert. Seit etwa einem Jahr lebt er in Lüneburg. Wie er empfangen wurde und wie die Menschen auf Geflüchtete reagieren, erzählt er uns in diesem Text.

Nachdem ich nach Deutschland gekommen bin, lernte ich einige Leute kennen, unter ihnen Nachbarn, Studenten und Bewohner der Stadt Lüneburg. Zu Beginn konnte ich fühlen, dass sie nichts über uns wissen; nicht wissen, dass wir syrische Flüchtlinge sind oder warum wir hier sind.

Nachdem sie von unserer jetzigen Lage erfahren hatten und auch von den Gründen, aus denen wir gekommen sind, entstanden zwischen uns Kontakte, Verbundenheit und Freundschaft. Tatsächlich lassen sie uns nun viel menschliche und seelische Unterstützung zukommen.
Am Anfang fragten uns einige Leute: „Gibt es bei euch in Syrien Billardsäle, gibt es bei euch Internet, gibt es Fußballplätze, Telefonnetze und Strom?“
Einige Leute fragten: „Warum bist du jetzt hier? Willst du in Deutschland sitzen und von den monatlichen Zahlungen des Sozialamtes oder des Jobcenters leben?“ Um ehrlich zu sein, ist es ein großer Anteil der Menschen, die nichts über uns wissen oder Ähnliches denken. Aber wenn jemand mir eine solche Frage stellt, kann ich mit ihm darüber diskutieren. Allerdings ist mein Englisch schwach und ich lerne jetzt erst Deutsch. Sie fragten auch: „Gibt es bei euch Telefonverbindungen?“ Ja, das alles gibt es und jede technologische, elektronische und wissenschaftliche Entwicklung. Man kann es einfach in einer internationalen Enzyklopädie nachlesen.

Foto: Adnan in der Stadt Lüneburg

Lüneburg ist schön, auch wenn Adnan sich manchmal so fühlt als würde er als Syrer hier ziemlich auffallen.

Immer wieder wurde ich gefragt: „Warum bist du hier?“ – „Willst du auf Kosten des Sozialsystems leben?“ Nein, natürlich nicht, wir warten hier auf unsere Aufenthaltsgenehmigung in Deutschland und auf den Eintritt in die Schule, um die deutsche Sprache zu lernen. Wir lernen deutsch damit jemand, der ein Studium begonnen hat, es vollenden kann und jemand, der einen Beruf hat, wieder in seinem Beruf arbeiten kann und auch jemand, der keinen Beruf hat, frei nach Arbeit suchen oder eine Ausbildung machen kann. Früher haben wir in unserem Land auch gearbeitet und wir hatten viel Arbeit.
Aber seit meiner Ankunft in Deutschland am 24. September 2014, warte ich auf den Erhalt des Aufenthaltsgenehmigung damit ich – wie gesagt – arbeiten und die deutsche Sprache lernen kann.
Es gehört nicht zu unserer Gewohnheit einfach zu sitzen, zu essen und zu schlafen. Ich bin hierhergekommen, um ein normales Leben zu leben und für die Kosten selbst aufzukommen. Nun in dieser Phase, in der es nichts zu tun gibt außer zu schlafen, das Internet zu durchstöbern und zu essen, möchte ich mich herzlich bei einigen Menschen unter anderem den Nachbarn, Studenten und Anwohnern der Stadt Lüneburg bedanken. Einige von ihnen sind zu guten Freunden geworden. Ich meine die Leute, die mich einige Male angerufen haben oder zu mir gekommen sind oder zu denen ich gegangen bin, um Ablenkung zu suchen, ihnen zu helfen oder die mir mit einigen Dingen geholfen haben.
Es gibt auch immer wieder jemanden, der mit mir spricht und mir sagt: „Ich kann nicht schlafen und denke darüber nach, wie es deiner Familie in Syrien geht“ oder „Wie bist du hier her gekommen?“ oder „Wie geht es den Leuten jetzt in Syrien?“. Einige entschuldigen sich bei mir: „Es tut mir Leid, ich habe das vorher nicht gewusst, erst nachdem ich mich über die Geschichte Syriens, die Kultur und über die Städte informiert habe“. Schließlich hoffe ich einfach, dass mich Post erreicht, in der die Zusage für meinen Antrag auf Arbeit steht. Wir möchten nochmals die Ausländerbehörde um den Erhalt des Aufenthaltstitels bitten, damit ich und meine Freunde arbeiten und verreisen können.
Ich danke jedem, der liest, was ich und andere hier geschrieben haben.

LEBEN AM BIRKENWÄLDCHEN
LÜNEBURGER KOMMENTARE ZUR FLÜCHTLINGSTHEMATIK

Categories: 1. Ausgabe 2016, MAGAZINE

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