Die Teestunde

EIN UNGEZWUNGENER RAHMEN,
UM SICH KENNENZULERNEN

Wir sind Imke und Florian Farnung und wohnen mit unseren beiden Kindern in Ochtmissen. Daher fühlen wir uns als direkte Nachbarn für die Bewohner der Unterkunft am Ochtmisser Kirchsteig.
Als wir hörten, dass es eine Flüchtlingsunterkunft in Ochtmissen geben soll, war für uns sofort klar, dass wir uns daran beteiligen möchten, den Menschen das Gefühl zu vermitteln, bei uns willkommen zu sein. Außerdem wissen wir, dass eine gelungene Integration immer ein offenes Engagement und einen ehrlichen und persönlichen Kontakt von beiden Seiten braucht.
Wir stellen uns immer wieder vor, wie wir in einem arabischen Land, ohne jegliche Sprachkenntnisse, sogar ohne unsere Schrift, alleine zurechtkommen würden.

Durch die Ermutigung der Willkommensinitiative in Lüneburg, haben wir uns – zusammen mit vielen Anderen – das erste Mal im Dezember 2014 mit den neuen Nachbarn zu einer Teestunde getroffen. Seitdem sind wir regelmäßig jeden Dienstag dort. Wir bringen Tee und etwas zu Essen mit, Kuchen oder Obst und kommen ins Gespräch. Andere Ochtmisser haben sich speziellen Themen und Aufgaben gewidmet, wie Deutschkursen, Rechtsberatung oder Einzelbetreuung.

Die Teestunde bietet, so finden wir, sowohl für jeden neuen Bewohner der Unterkunft als auch für Lüneburger Nachbarn einen ungezwungenen Rahmen, um sich unverbindlich kennenzulernen. Zu Beginn erwarteten wir auf viel Wut und Traurigkeit zu stoßen – vielleicht sogar auf Desinteresse. Stattdessen haben uns unsere neuen Nachbarn beeindruckt: mit ihrer Offenheit, einer großen Kameradschaftlichkeit untereinander sowie einer ansteckenden Fröhlichkeit, die es ihnen leichter macht das Leid zu ertragen.
Mittlerweile haben wir zu Einigen einen engen freundschaftlichen Kontakt und zu Vielen ein offenes nachbarschaftliches Verhältnis aufgebaut. Wir treffen uns zum Fußball- oder Filmabend und auch immer wieder zu einem so leckeren arabischen Essen.

Auch wenn wir wissen, dass der Frust bei vielen Bewohnern groß ist, darüber, dass sie so wahnsinnig lange auf ihre Aufenthaltsgenehmigungen warten müssen, darüber wie scheinbar willkürlich diese Papiere ausgestellt werden oder darüber, dass sie nicht arbeiten gehen können, so lassen sie uns diesen Ärger nicht spüren. Genauso teilen sie nur sehr selten ihre tiefen Sorgen und Ängste mit uns. Sie sind einfach so sehr bemüht, uns nicht unangenehm zu werden.Wir kommen ausgesprochen gern an den Ochtmisser Kirchsteig 58. Selbstverständlich begleiten uns auch unsere Kinder.

Gern möchten wir Sie dazu ermutigen Ihre neuen Nachbarn kennenzulernen und sich uns ganz einfach einmal an einem Dienstag Nachmittag ab 17 Uhr unserer Teestunde in Haus 3 anzuschließen.

Herzliche Grüße Imke und Florian

Ehrenamtliches Engagement braucht Struktur
DIE WILLKOMMENSINITIATIVE

Categories: 1. Ausgabe 2016, MAGAZINE

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